... dachte ich mir als ich mir mal ein Raglanshirt genauer betrachtet habe. So ein Basicteil müsste doch eigentlich ganz leicht zu nähen sein. Im Internet habe ich auch schnell Anleitungen gefunden, aber ich traue mir (noch) nicht zu, Schnitte selbst zu gradieren.
Also entschied ich mich für Plan B: Ich kaufte die aktuelle Ottobre und pauste mir den Schnitt für das Raglan-Oberteil eines Schlafanzugs ab. Dann ging es eigentlich ganz fix: Stoff zuschneiden, mit der Overlock zusammenhähen, Bündchen annähen.
Und, sieht doch gar nicht mal so schlecht aus, oder? Die Größe ist 74, die Länge habe ich einfach selbst angepasst, nach einem von JDs momentan gut passenden Shirts.
Hier noch eine Detailaufnahme, auf den ersten Blick könnte ich doch ganz zufrieden sein, oder?
NEIN. Das Teil hat mich Nerven gekostet ohne Ende, dank einer wunderbaren Reihe klassischer Anfängerfehler:
1. Streifenstoff aussuchen! Gibt es ein Muster bei dem Ungenauigkeiten noch deutlicher auffallen? Wohl kaum! Trotz jeder Menge Stecknadeln (deswegen auch Punkt 2) passt es nicht überall.
2. Beim Nähen mit der Overlock eine Nadel "überfahren". Einen kurzen Moment nicht aufgepasst und KNACK, da klemmte eine Stecknadel zwischen Ober- und Untermesser. Argh! Folge davon war dann erstmal, dass der Stoff nicht mehr richtig geschnitten wurde und ganz fisselig aus der Naht hing. Zum Glück hat sich das wieder einigermaßen gegeben. Die Nahtzugabe darf nur nicht zu knapp sein. Ich denke, um ein paar neue Messer komme ich nicht drumherum, spätestens bevor ich die Maschine meiner Mama zurückgebe.
3. Ohne Bedienungsanleitung an den Maschineneinstellungen herumfummeln und verschiedene Nahtvarianten ausprobieren. Macht nichts besser...
4. Feststellen, dass der Probestoff einem doch total gut gefällt und dann mit jedem Stückchen Stoff, das zum Überprüfen der neuen Einstellungen durch die Maschine gejagt wird, miesere Laune bekommen.
5. Verbissen werden. Die Fadenspannungen in allen erdenklichen Versionen verstellen und sich wundern, warum die Naht trotzdem nicht besser wird. In Kombination mit Punkt 4 ein richtiger Stimmungskiller.
(Letztendlich habe ich ein letztes Mal verzweifelt im Internet recherchiert und gelernt, dass zwei meiner Fäden nicht fest genug zwischen den Spannungsscheiben eingeklemmt waren. Nach einem beherzten Ruck an den Fäden sah die Naht wieder top aus.)
6. Weiter am Shirt rumdoktern. Die fisseligen Bündchen habe ich abgeschnitten und neue angenäht. Beim Halsbündchen habe ich gleich ein etwas breiteres Bündchen genommen, da durch die abgeschnittene Naht der Halsausschnitt ja schon ein wenig weiter war. Dann habe ich mir die Naht nochmal angeschaut, war unzufrieden und hab "noch ne Runde drumrumgenäht", um die hässliche Naht wegzuschneiden. Jetzt ist der Halsausschnitt natürlich zu weit.
(Auf dem Bild oben ist noch die allererste Version zu sehen, da passt die Weite, aber die Naht innen ist völlig verfranst.)
Ich habe das Shirt JD bisher noch nicht anprobiert, bevor ich mich dann noch weiter ärgere. Aber ich habe das Gefühl, ich habe genug Fehler durchexerziert um beim nächsten Nähversuch dann ein vorzeigbares Shirt zustande zu bringen. Leider nicht mehr aus dem tollen Stoff, der reich bestenfalls noch für wahlweise ein Vorderteil, kurze Ärmel oder eine Mütze...


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